Geschichte der Zunft

 

 
Bad Dürrheim, inmitten der Landschaft Baar, war seit alters her Sitz des Landadels, der „Esel von Dürrheim“, offenbar schon rechte Narren. Ein Sproß aus dieser Sippe –Waltherus de Turriheim qui vocateur Esil- wird 1183 als „ein gar wunderlicher Mensch“ beschrieben. Selbsterkenntnis und Reue wegen seines vielleicht nicht nur närrischen, sondern auch frevelhaften Lebenswandel bietet 1256 die Tatsache einer Schenkung seiner Besitztümer an eine Äbtissin und an die Klöster Wonnental und Kylchberg, um seines und seiner Nachkommen Seelenheil willen.
 
Mit Sicherheit hatte die seit Ende des 13. und anfangs des 14. Jahrhunderts beginnende Ortsherrschaft der in Villingen residierenden Johanniter ihren Einfluss auch auf das Fasnachts-Geschehen in Dürrehain, wie auch in den anderen Orten der Baar. Ließe sich die Geschichte ununterbrochen zurückverfolgen, könnte die Narrenzunft Bad Dürrheim eine der ältesten im schwäbisch-alemannischen Raum sein. Hauptsächlich durch die damaligen sozialen Verhältnisse ist jedoch nie eine geordnete Archivierung erfolgt. Die auf ihren Höfen wie kleine Grafen herrschenden Bauern verspürten wenig Neigung zu einem gesellschaftlichen Zusammenschluss. Es gab auch keine Handwerkszünfte, deren Formen und Traditionen andernorts dokumentiert waren und durch die Zunftmitglieder weiterverbreitet wurden.
 
Die Bürgerschaft Bad Dürrheims bestand bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts aus Knechten und Tagelöhnern. Der Ort litt besonders unter den Frondiensten, die dem Johanniterorden zu leisten waren. Unter der einfachen Bevölkerung herrschte große Armut. So wird in einem Bericht des Direktoriums des Donaukreises noch 1818 die finanzielle Lage der Gemeinde als „kläglich“ bezeichnet. Es dauerte bis zum Jahr 1903, bis im Ort endlich ein eigenes Rathaus gebaut werden konnte. Auch die kirchliche Quelle über fastnachtliche Aktivitäten ist wenig ergiebig. Zweimal wurden die Gotteshäuser Opfer von Kriegshandlungen und Brandkatastrophen.
 
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts begann durch die Soleentdeckung in Bad Dürrheim ein neues Zeitalter. Das Bauerndorf profitierte jedoch weniger von den neu entstandenen Arbeitsplätzen als von dem sich entwickelnden Kurbetrieb. Durch die Kurgäste und die nach Bad Dürrheim versetzten Saline Beamten entwickelte sich erstmals ein kulturelles Leben im Ort.
 
Historisches Zunftbild
 
Insbesondere der erste Salineninspektor, August Freiherr von Althaus, war hier eine treibende Kraft. Er war es auch, der im Jahr 1833 eine erste Vereinigung honoriger Bürger um sich versammelte. Diese waren, nach Erkenntnissen des nun lückenlosen Salinenarchivs, zu allen Schandtaten bereit, was natürlich zur Fasnet besondere Blüten trieb. Hauptsächlich handelte es sich bei den Mitgliedern der „Gesellschaft Frohsinn“ um zurückgekehrte Teilnehmer an Napoleons misslungenem Russlandfeldzug von 1812. Die „Zobeljäger von Tobolsk“, wie man sich nannte, erstreckten ihre Aktivitäten jedoch auf Konzerte, Theateraufführungen, Gesellschaftsabende usw., welche über das ganze Jahr stattfanden.
 
 
Im Jahr 1886 entstand dann aus Mitgliedern der Gesellschaft Frohsinn die erste dokumentierte Narrenzunft Bad Dürrheim, mit nun regelmäßigen Aufführungen von Fastnachtspielen und Auftreten von Narro und Gretele bei der Straßenfasnacht. Mit den Kriegswirren des 1. Weltkrieges verliert sich die Spur der Narrenzunft Bad Dürrheim.
 
Am Aschermittwoch des Jahres 1924 sind es dann wiederum Mitglieder der Vereinigung Frohsinn, die zusammen mit Dürrheimer Bürgersöhnen zur nächsten Fasnet die Narrenzunft Bad Dürrheim neu gründeten. Erster Zunftmeister war der Salinenbeamte Franz Heer. Vier Zunftmeister in den nächsten fünf Jahren lassen auf holprige Anfangsjahre schließen. Seit 1929 ist die Narrenzunft Bad Dürrheim Mitglied der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e.V. Stabilisierend wirkte dann der 1931 gewählte Zunftmeister Anton Stark.
 
1932 konnte zum ersten Mal der Salzgeist, genannt Salzhansel, bei der Dieremer Fasnet bewundert werden. Von 1940 bis 1948 gab es kriegsbedingt keine Fasnet in Bad Dürrheim. Erst 1951 war die erste Generalversammlung der Zunft, mit der Wiederwahl des Vorkriegszunftmeisters Anton Stark, der 1959 von Albert Mießmer abgelöst wurde. Bei der Ausrichtung des Freundschaftstreffens der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e.V. konnten 35 Gastzünfte in Bad Dürrheim begrüßt werden. Von 1965 bis 1983 stand Walter Sieger an der Spitze der Zunft. Nach 1954 war man 1968 zum zweiten Mal Ausrichter der Hauptversammlung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e.V..
 
Historisches Zunftbild
 
Im gleichen Jahr wurde auf Betreiben von Zunftmeister Sieger die Johli- Guppe und der Fanfarenzug gegründet und nicht genug war die Zunft wieder Gastgeber für ein Freundschafts- Narrentreffen. Als Probe- und Zunftlokal wurde 1974 der Bohrturm übernommen und ausgebaut.
 
Anlässlich des 50-Jährigen Jubiläums veranstaltete die Narrenzunft 1975 ein Jubiläumsnarrentreffen mit 3500 Hästrägern. An der Fasnet 1976 stellte die neu gegründete Siedergilde den Narrenbaum auf dem Rathausplatz, 1980 waren beim Umzug erstmals seit der Wiedergründung nach den Kriegswirren 22 Narros an der Fasnet auf der Straße. 1983 wird Karl-Heinz Hornberger zum Zunftmeister gewählt. Mit 42 Gastzünften feierte die Zunft 1985 ihren 60. Geburtstag mit einem wunderschönen Narrentreffen.
 
1991 fand auch in Bad Dürrheim wegen des Golfkrieges keine organisierte Fasnet statt. 1993 war die Herbstarbeitstagung und 1994 die Hauptversammlung der Vereinigung in Bad Dürrheim. Die neugeschaffene Einzelfigur „Salzgeist“ treibt 1998 erstmals sein Unwesen. Zum 75-jährigen Geburtstag im Jahre 2000 war die Zunft wieder Gastgeber für 53 befreundete Zünfte.
 
Historisches Zunftbild
 
2003 wird Kurt Lupold zum Zunftmeister gewählt. Zum 90-jährigen Geburtstag im Jahr 2015 fand ein großer Umzug mit vielen befreundeten Zünften statt.
 
Seit dem 13. November 2015 steht Joachim Müller an der Spitze der Zunft.